
Rural Studies Kolloquium #7
Call for Contributions
29.-31.Juli 2026

Das Rural Studies Kolloquium geht in die siebte Runde. Als selbstorganisiertes, interdiszip-
linäres Format von und für Promovierende bietet es Raum für Austausch, Diskussion und
Vernetzung rund um die Erforschung ländlicher Räume und Ländlichkeiten. Erstmalig brin-
gen wir das Kolloquium selbst „auf‘s Land“: Extraktivistische Industrien haben die Berg-
baufolgelandschaft von Borken geprägt – hier lassen sich Geschichten von sozialen, ökolo-
gischen und kulturellen Veränderungsprozessen nachvollziehen. Wir laden dazu ein ge-
meinsam über ländliches Bleiben in Verflechtungen von Konflikten, Krisen und Hoffnungen
nachzudenken.
Aus Perspektive der ‚Planetary Rural Geography‘ sind ländliche Räume kontingente ‚Assemblagen‘ aus menschlichen und nicht-menschlichen Akteuren, Materie, Emotionen und Affekten. Sie sind in einem translokalen Stoffwechsel mit anderen Orten (City und Country) verbunden. Und über Praktiken und Diskurse erhalten sie eine Identität, die sich durch ein situiertes Selbstverständnis von ‚Ländlichkeit‘ äußert (Wang et al. 2025). Mit diesem Verständnis knüpfen die Autor*innen an frühe Arbeiten von Henri Lefebvre an und erweitert diese um post-strukturalistische Ansätze. Damit bezieht die ‚Planetary Rural Geography‘ Opposition zu der Annahme, dass die globale Urbanisierung jegliche ländlichen Räume zum operativen Hinterland des Kapitalismus transformiert, ohne jedoch dessen allgemeine Hegemonie zu verneinen.
Vor diesem Hintergrund fragen wir beim siebten Rural Studies Kolloquium: Wer oder was bleibt ländlich? Und wie oder wo verortet sich das Bleiben in ländlichen Räumen des Konflikts, der Krise oder der Hoffnung?
Bleiben in ländlichen Räumen soll dabei nicht als bloßer Mangel an Mobilität verstanden werden, sondern als aktive soziale Praktik, die in „Bleibenslebensweisen“ (Rühmling 2023) gefasst werden kann. Angesichts des Klimakollaps und faschistischen Tendenzen ist die Frage nach einem Leben in Ruinen, beziehungsweise einem ländlichen Bleiben sehr aktuell und komplex. Für das Kolloquium interessieren uns daher unter anderem historische Entstehungsprozesse anthropogener Landschaften, Transformationen extraktivistischer Stoffwechsel zwischen Stadt und Land oder auch Kulturen und Biografien des Bleibens. Bei einer eintägigen Exkursion in die Borkener Bergbaufolgelandschaft möchten wir unsere Diskussionen in ein konkretes, potenzielles Forschungsfeld tragen. Hier werden wir uns mit der migrantischen Arbeitsgeschichte des Bergbaus, der Trauer nach dem Grubenunglück bei Stolzenbach und ökologischen Fragen zur Landschaft befassen.
Wir freuen uns über vielfältige Einreichungen, zum Beispiel zu folgenden Themengebieten:
• Bleiben in (post-)fossilen Landschaften / Leben in Ruinen
• Umgang mit Verlust und Transformation
• Rural Place-Making und soziale Praktiken des Bleibens
• Slow Violence, Extraktivismus und imperiale Lebensweisen
• „Sacrifice Zones“ und ungleiche Betroffenheiten
• Naturverständnisse im Kontext ländlicher Räume
Format und Rahmen
Der Call for Participation richtet sich explizit an Promovierende aus den Sozialwissenschaften, die sich mit ländlichen Räumen beschäftigen, wie etwa aus der Soziologie, (Human)Geografie, Agrarwissenschaften, Sozialen Arbeit, Medien- oder Kunstwissenschaften, aus den Politik- oder Planungs- und Wirtschaftswissenschaften, der Anthropologie und verwandten Disziplinen. Für eine Teilnahme an dem Kolloquium wird vorausgesetzt, dass die Promovierenden sozialwissenschaftlich-qualitativ oder quantitativ zu bzw. in ländlichen Räumen forschen sowie ihr erhobenes Material mit Blick auf räumliche Dimensionen reflektieren. Die Beiträge können entweder als klassische Vorträge mit anschließender Diskussion, als Posterpräsentation oder als gemeinsame Reflexion von erhobenem Datenmaterial erfolgen. Andere Formate sind ebenso willkommen.
Das Rural Studies Kolloquium ist ein wanderndes, selbstorganisiertes Format ohne feste institutionelle Anbindung. Es wurde im Jahr 2021 vom Thünen Institut für Ländliche Räume initiiert und wird jährlich von Promovierenden unterschiedlicher Disziplinen organisiert und weitergegeben. Ziel ist es, eine offene, kollegiale und interdisziplinäre Plattform für Nachwuchswissenschaftler*innen im DACH-Raum zu schaffen.
Gehostet wird das diesjährige Kolloquium vom Kompost Ensemble e.V. Das Kompost Ensemble ist eine interdisziplinäre Gruppe von Promovierenden mit Schwerpunkt in Nordhessen. Wir arbeiten zu Fragen des Lebens und Arbeitens in ländlichen Räumen in Zeiten der globalen Polykrise. Im Ensemble verbinden wir Perspektiven aus Landschaftsplanung, Kunst, Soziologie, Agrarwissenschaften, Humangeographie und Politikwissenschaft. Methodisch verbindet uns eine partizipative, pragmatische und neu-materialistische Haltung sowie das Experimentieren mit (auch kunstbasierten) Verfahren – meist in Zusammenarbeit mit regionalen Akteuren.
Bewerbung und Organisatorisches
Bitte sendet Eure Bewerbung bis zum 15. Mai 2026 an: info@kompost-ensemble.de
Die Rückmeldungen erfolgen bis zum 20. Mai 2026.
Die Bewerbung sollte enthalten:
• Name und institutionelle Anbindung
• kurze Notiz zur Promotionsphase
• Abstract (ca. eine halbe Seite) zum geplanten Beitrag
• kurze Motivation zur Teilnahme
Beiträge in englischer Sprache sind möglich; die Exkursion und öffentliche Veranstaltung finden überwiegend auf Deutsch statt. Eine Teilnahme ist auch ohne eigenen Beitrag möglich, aktive Beiträge sind jedoch ausdrücklich erwünscht.
Für die Veranstaltung stehen begrenzte Übernachtungsmöglichkeiten (ca. 11 Plätze) vor Ort zur Verfügung - bei einer größeren Nachfrage versuchen wir weitere Übernachtungsmöglichkeiten zu organisieren.
Eventuell entsteht ein Kostenbeitrag von etwa 150 Euro (inkl. Unterkunft und Verpflegung) - gebt in eurem Schreiben gerne auch eure finanziellen Möglichkeiten an (Abrechnung über die Uni, Selbstfinanzierung oder ähnliches). Eine Übernahme von Reisekosten ist leider nicht möglich.
Programm und Anreise: Los geht‘s am 29.07. um 13:00 Uhr mit einem gemeinsamen Mittagessen. Um 14:00 Uhr beginnt das Programm. Tagungsort ist Schloss Hirschgarten (Forsthausstraße 1, 34582 Borken, Hessen). Der nächste Bahnhof ist in Borken und per Fahrrad erreichbar (5 km). Für alle ohne Rad organisieren wir ein Auto-Shuttle. Das Kolloquium endet am Freitag, 31.07. um 15:00 Uhr am Tagungsort. Alle weiteren Infos folgen nach der Anmeldung.
Wir freuen uns auf Eure Einreichungen und auf gemeinsame Diskussionen in Borken!